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Freitag, 13. Januar 2012

Schlaf gut und träum was Schönes


http://www.taz.de/Hirnforscher-untersuchen-Traeumer/!83870/

Hirnforscher untersuchen Träumer

Schlaf gut und träum was Schönes

Wer Träume bewusst steuern kann, hat mehr vom Leben. Wissenschaftler wollen herausfinden, was während des Träumens im Körper vor sich geht.von Philipp Brandstädter
Klarträumer beherrschen ein Paradoxon: Sie erleben sich im Traum als wach, wissen aber zugleich, dass sie schlafen.  Bild:  koco / photocase.com
Nachts, wenn alles schläft, erobern Allmächtige die Stadt. Sie drehen die Gesetze der Physik auf links, trotzen jeder Logik und Moral, verstellen das Weltgefüge. Sie sind Oneironauten, besser bekannt als Träumer. Menschen, die in ihren Köpfen eine Welt konstruieren, die äußerst fragil ist und ständig zu bersten droht. Unberechenbar und unergründet - so wie unser Gehirn.
Um besser zu verstehen, was in unseren Köpfen vorgeht, haben Wissenschaftler des Münchener Max-Planck-Instituts für Psychiatrie ein Team aus Träumern auf Mission geschickt. Sie sollten, mit Kabeln beklebt und von Kameras überwacht, in einem Kernspintomografen auf Traumreise gehen und dann, aus den Tiefen des Unterbewusstseins, ein Signal an die Außenwelt senden. Aus der unwirklichen Traumwelt heraus, hinein in die Messgeräte der Forscher.
Doch wie soll das funktionieren? Dazu müsste man sich doch zunächst dessen bewusst sein, dass man träumt. Und man dürfte im Traum nicht vergessen, dass der schlafende Körper in einem Schlaflabor liegt und beobachtet wird.
Geschulte Klarträumer können das.
Diesen Artikel und viele andere spannende Texte lesen Sie in der sonntaz vom 17./18.12.2011. Am Kiosk, eKiosk oder gleich per Wochenendabo. Und für Fans und Freunde: facebook.com/sonntaz.
Schlafen und träumen für die Hirnforschung
In ihren sogenannten luziden Träumen sind sie in der Lage, ihre Träume zu beeinflussen. Klarträumer beherrschen ein Paradoxon: Sie erleben sich im Traum als wach, wissen aber zugleich, dass sie schlafen. Diese Erkenntnis ermöglicht es ihnen, der Fantasie freien Lauf zu lassen und die Träume selbst zu gestalten. Sie übernehmen die Regie in ihrem persönlichen Traumkino.
Der Psychologe Martin Dresler hat für sein Experiment Oneironauten gewonnen, die nicht nur ab und an, sondern häufig klar träumen.
Im Labor des Max-Planck-Instituts schlafend, gaben diese ein vorher ausgemachtes Zeichen mit ihren Augen. So konnten die Traumforscher genau in dem Moment die Hirnaktivität der Schlafenden messen, in dem sich diese in einer Traumphase befanden. Anschließend sollten die Versuchspersonen im Traum ihre Hände zu Fäusten ballen.
Das Ergebnis der Tomografie: Wer träumt, die Hände zu Fäusten zu ballen, nutzt dieselben Regionen des Gehirns wie bei der motorischen Handlung im Wachzustand. Träume beanspruchen das Hirn also ähnlich wie eine tatsächlich ausgeführte Handlung.
Eigentlich eine simple Erkenntnis, jedoch auf einem unerschlossenen Gebiet. "Die Traumforschung ist nach wie vor ein Stiefkind der Wissenschaft", erklärt Martin Dresler. "Es gibt viel zu wenige handfeste Daten und viel zu viel esoterischen Quatsch, der rund um die Thematik betrieben wird."
In den 1950er Jahren stellten Forscher in Chicago erstmals fest, dass wir vor allem dann lebhaft träumen, wenn wir uns in der sogenannten REM-Phase befinden, die nach unseren schnellen Augenbewegungen im Traumschlaf, dem Rapid Eye Movement, benannt ist.
In den folgenden Jahrzehnten stieg das neurowissenschaftliche Interesse auf dem Gebiet, bis in den neunziger Jahren die Technik weit genug war, um unsere Hirnaktivitäten mit Computern genauer zu untersuchen.
Urtriebe, psychische Spannungen, seelische Konflikte?
"Wir wissen seitdem, dass im Traum vor allem Gehirnareale aktiv sind, die für unser emotionales Empfinden zuständig sind", sagt Dresler. In den Bereichen für höhere Kognitionen wie Aufmerksamkeit, Verständnis und Orientierung hingegen spiele sich herzlich wenig ab.
Das erklärt, warum unsere Träume so gefühlsgeladen sind und warum wir uns so unkonzentriert auf die Traumhandlung einlassen.
Doch warum wir überhaupt träumen und wodurch Träume entstehen, bleibt unklar. Will unser Gehirn vielleicht Wichtiges einstudieren? Urtriebe und psychische Spannungen verarbeiten? Seelische Probleme lösen? Will es Erlebnisse speichern? Oder etwa gezielt vergessen?
"Um das zu erforschen, brauchten wir mehr Material, mehr Messdaten, konkretere Trauminhalte", sagt Dresler. Bisher hat der Wissenschaftler jedoch nur Daten von einer Handvoll Probanden, die ihre Träume bewusst steuern konnten und von Computern aufzeichnen ließen.
Es gibt eben nicht viele Menschen, die unter Laborbedingungen imstande sind, regelmäßig luzid zu träumen. Umso wertvoller sind die ersten Studienergebnisse, die für Martin Dresler eine wichtige Grundlage bedeuten. "Die Ergebnisse könnten für die gesamte Traum- und Bewusstseinsforschung von Bedeutung sein."
Und für Leistungssportler. Die sollen nämlich komplizierte motorische Abläufe im Traum trainieren können. Sprünge, Schrauben, Saltos - ohne Verletzungsrisiko. Das jedenfalls möchte Daniel Erlacher. Der Sportpsychologe hat an der Uni Heidelberg Probanden üben lassen, Münzen in einen Becher zu werfen. Die Klarträumer unter ihnen sollten dies im Schlaf tun.
Die Träumer, denen es gelang, sich in ihrer Traumwelt Münzen und Becher herbeizuzaubern, umringt von der Absurdität ihres Unbewussten, schnitten im Praxistest ebenso gut ab wie diejenigen, die das Münzenwerfen im Wachzustand geübt hatten - und wesentlich besser als die Kontrollgruppe, die weder wach noch träumend auf Becher gezielt hatte.
"Motorische Fertigkeiten lassen sich auch im Traum erlernen und verbessern", folgert Erlacher. "Luzid träumen zu können ist nicht nur deswegen für jeden eine Bereicherung. Und das Schöne daran ist: Jeder kann es erlernen."
Fliegen, durch Wände gehen, mit Toten sprechen
Im Zuge seiner Traumstudien veröffentlichte Daniel Erlacher eine "Anleitung zum Klarträumen", in der er beschreibt, mit welchen Strategien wir unsere nächtlichen Traumwelten selbst gestalten können. Das erste Mal wurde sich Erlacher eines Klartraums bewusst, als er gegen zwei Riesen in seiner Küche Basketball spielte.
"Als mir klar wurde, dass die Küche nicht der geeignete Ort für so etwas ist, merkte ich, dass ich träumen musste", erinnert sich Erlacher. "Plötzlich konnte ich tun, was ich wollte. Ich drehte mich um, kletterte auf den Fenstersims, ließ mich nach vorn fallen und flog eine Runde ums Haus. Das war wirklich beeindruckend."
Daniel Erlacher befragte im vergangenen Jahr 1.350 Personen und stellte fest, dass jeder Zweite schon einmal einen Klartraum hatte. Und dass diejenigen, die luzides Träumen wirklich beherrschen, binnen weniger Traumsekunden Dinge tun können, die ihnen im Wachzustand ein Leben lang verwehrt bleiben:
Mit den Urahnen aus der Renaissance sprechen; mit den Zugvögeln gen Süden ziehen; als Superstar Konzerthallen und Stadien füllen; durch Wände spazieren; George Clooney oder Scarlett Johansson verführen. Andere berichteten, ihre alltäglichen Probleme lösen, Ängste bewältigen zu können, sich selbst besser verstehen zu lernen. Im Traum.
Paul McCartney will "Yesterday" im Schlaf komponiert haben. Frank Elstner behauptet, mit dem Konzept von "Wetten, dass . . ?" im Kopf aufgewacht zu sein. Einstein soll seine Relativitätstheorie erträumt haben, Niels Bohr sein Atommodell. Nachts, wenn alles schläft, wenn alles in den Betten liegt. Wenn wir Nacht für Nacht ein Drittel unseres Lebens buchstäblich verpennen.

Dienstag, 27. September 2011

Wenn das Internet süchtig macht



Das Internet birgt Gefahren - unter anderem die Abhängigkeit. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung stellte die erste repräsentative Studie zum Thema Online-Sucht vor. Danach sind 560.000 Deutsche betroffen - vor allem junge Leute.





Studie: 560.000 Bundesbuerger sind internetsuechtig
Foto: dapd/DAPD
Laut einer Studie der Bundesdrogenbeauftragten gibt es in Deutschland 560.000 Internet-Süchtige.
Eine Stunde geht die 13-jährige Marthe Mainholdt aus Prenzlauer Berg jeden Tag online. „Wenn ich das Internet benutzen will, muss ich meine Eltern fragen“, sagt die Schülerin. Ihre gleichaltrige Freundin Rahel Fügener aus Pankow hat schon ihren eigenen PC, doch bei der Internetnutzung ähneln sich die beiden Mädchen: Abends rufen sie ihre E-Mails ab, suchen nach Neuigkeiten von ihren Lieblingsstars und schauen online Fernsehserien. „Und manchmal recherchiere ich auch etwas für die Schule“ sagt Rahel.
Doch nicht alle jungen Menschen gehen mit dem Internet so verantwortungsvoll um wie die Berliner Schüler, zeigt der Fall von Stefan K. aus Hamburg: An manchen Wochenenden schlief der 25-Jährige nur drei Stunden. Er war mit seinem Krieger in „Azeroth“ unterwegs, der Fantasiewelt des Computerspiels „World of Warcraft“, mit Magiern und Rittern, Gnomen und Orks. Eine Welt der Kämpfe und des Handelns. Von dem Leben außerhalb des Bildschirms wollte Stefan nicht mehr viel wissen. Die Kurse an der Uni, seine Freunde im Fußballverein, seine Eltern interessierten ihn nicht mehr. Sogar sein eigener Körper war Stefan nicht mehr viel wert. Er bestellte sich Pizza, wenn er überhaupt noch aß, er duschte nur noch selten. Stefan K. war lange internetsüchtig.
Derzeit trifft das auf mindestens 56.0000 Menschen in Deutschland zu. Die exzessive Online-Nutzung von 2,5 Millionen weiteren Menschen ist problematisch. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universitäten Lübeck und Greifswald in der Studie „Prävalenz der Internetabhängigkeit“ (Pinta), die die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), in Berlin vorgestellt hat.

Leben in einer virtuellen Welt

„Online-Süchtige leben in einer virtuellen Welt, finden dort die Anerkennung, die ihnen im echten Leben verwehrt bleibt“, sagt Dyckmans. Das Problem müsse sehr ernst genommen werden, denn die Folgen der Sucht „ähneln denen einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit“. Die Pinta-Studie ist die erste repräsentative Untersuchung zur Internetsucht in Deutschland. Die Forscher befragten dafür 15.023 Personen im Alter von 14 bis 64 Jahren. In dieser Altersgruppe ist etwa ein Prozent internetsüchtig, ergab die Studie. In der Gruppe der 14- bis 16-Jährigen sind es vier Prozent, problematisch ist die Internetnutzung hier bei 15,4 Prozent.
Überrascht waren die Forscher, dass junge Frauen und Mädchen häufiger internetsüchtig sind als Jungen, galt diese Sucht doch bisher vor allem als männliches Phänomen, was sich in der Gesamtaltersgruppe bis 64 Jahre auch bestätigt. Betrachtet man jüngere Altersgruppen, übersteigt der Anteil der süchtigen Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren mit 4,9 Prozent den der Jungen (3,1 Prozent) deutlich. In der Gruppe von 14 bis 24 Jahren liegen beide Geschlechter gleichauf.
Auch bei der Art der Internetnutzung gibt es Geschlechterunterschiede. Während die Sucht nach Online-Spielen vor allem bei Jungen auftritt, sind Mädchen oft abhängig von sozialen Netzwerken wie Facebook. „Wir vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigung, die man in sozialen Netzwerken findet“, sagte Hans-Jürgen Rumpf, Psychologe an der Universität Lübeck, der an der Studie beteiligt war.

14 Sucht-Merkmale

Insgesamt 14 Merkmale, die auf eine Sucht hinweisen, haben die Forscher für die Studie unter den Teilnehmern abgefragt. Entscheidend ist demnach unter anderem, wie viel Zeit jemand im Netz verbringt und ob das Nutzungsverhalten noch von der Person kontrolliert werden kann. Auch das Auftreten von Entzugserscheinungen wie Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Unruhe sowie negativen Konsequenzen wie Schlafentzug und damit verbundener geringer Leistungsfähigkeit in der Schule, im Studium oder im Job seien Indikatoren für Sucht, sagt der Wissenschaftler.
Wie viele Kriterien für die Diagnose genau nötig seien, werde unter Experten aber noch diskutiert, sagte Rumpf. Umstritten sei nach wie vor auch, ob es sich bei Internetsucht überhaupt um eine eigenständige Krankheit handele oder sie nur als ein Symptom anderer Erkrankungen auftrete. Bei der Interpretation der Befunde müsse darüber hinaus Zurückhaltung geübt werden, sagte Rumpf. Die Pinta-Studie schaffe wichtige Grundlagen, müsse aber dringend weitere Forschung nach sich ziehen: „Wir wissen noch nicht genau, was Internetabhängigkeit eigentlich heißt.“

Online-Sucht ist ernsthaftes Problem

Dennoch steht fest: Online-Sucht ist in Deutschland ein ernsthaftes Problem. „Wir beobachten seit Jahren eine Zunahme der Zahl der Betroffenen“, sagt Bert Theodor teWildt, Psychiater an der Medizinischen Hochschule Hannover und Vorsitzender des Fachverbands Medienabhängigkeit. „Die ersten ,Digital Natives', die mit dem Internet aufgewachsen sind, werden jetzt erwachsen.“ Laut teWildt ist noch nicht absehbar, wie viele von diesen in einem „selbstbestimmten Erwachsenenleben“ ankommen werden. Die in der Pinta-Studie genannte Zahl von einem Prozent internetsüchtiger Menschen in Deutschland sei dabei aber plausibel, sagt teWildt. „Früher waren die Zahlen deutlich zu hoch gegriffen, jetzt kommen wir langsam im realistischen Bereich an.“
Doch wie therapiert man Internetsüchtige überhaupt? TeWildt bemängelt, dass es nur wenige Forschungsergebnisse zu diesem Bereich gebe. „International scheinen sich verhaltenstherapeutische Konzepte zu bewähren: Zuerst versucht man, eine Verhaltensänderung herbeizuführen, damit man in einem zweiten Schritt auch an den tieferen Ursachen für die Problematik psychotherapeutisch arbeiten kann.“ Am wichtigsten seien zunächst pragmatische Schritte, die auf Entwöhnung und Rehabilitierung in Schule, Studium oder Beruf abzielten.

Alltagstaugliche Hinweise

Rainer Thomasius, Leiter der Suchtabteilung für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, weist darauf hin, dass dem sozialen Umfeld der Betroffenen eine zentrale Rolle zukomme, gerade wenn junge Menschen internetsüchtig sind. Bei Kindern seien es meist die Eltern, die feststellten, dass ihr Kind süchtig sei, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater. Problematisch sei, dass eine Internetnutzung, die manchen Eltern exzessiv vorkomme, von anderen als normal angesehen werde. „Der Toleranzwert hängt vor allem vom Bildungshintergrund und der eigenen Internetaffinität ab“, sagt Thomasius. Gut gebildete Eltern seien in der Regel sensibler, was das Surfverhalten ihrer Kinder angehe.
Die Bundesdrogenbeauftragte will daher Eltern für das Phänomen Internetsucht sensibilisieren. Deshalb gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Broschüre „Online sein mit Maß und Spaß“ heraus, die vor allem für Eltern „alltagstaugliche Hinweise“ enthalten soll. Und in einer Folgestudie zur Pinta-Untersuchung sollen alle als Süchtige aufgefallenen Personen nochmals detailliert befragt werden.
Der 18-jährige Leonard Wagenbreth aus Prenzlauer Berg jedenfalls ist weit davon entfernt, gefährdet zu sein: Nach dem Abendessen schaue er als Erstes bequem von zu Hause auf den Vertretungsplan, um zu sehen, ob eine Stunde ausfalle. „Außerdem organisiere ich online Auftritte meiner Indie-Band Artwhy“, erzählt er. Länger als eine Stunde brauche er dafür aber am Tag nicht.
Ähnlich viel Zeit verbringt auch der 18 Jahre alte Bolor Battaivan im Netz. „Während der Schulzeit hat man doch ganz andere Sachen zu tun“, meint er. „Plaudern und so.“ Erst, wenn Bolor nach Hause kommt, schmeißt er seinen Laptop an. Dann ruft er nur kurz seine E-Mails ab. Manchmal liest er online noch ein paar Artikel, dann dauert es länger. „Maximal eine Stunde oder so.“

Fragenkatalog gibt Aufschluss

Nach der Studie gibt es in Deutschland rund 560.000 „Online-Süchtige“. Dabei sind Jugendliche stärker betroffen als Ältere, Männer mehr als Frauen. Die Folgen seien vergleichbar mit denen von Alkohol- oder Drogensucht, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP). Internetsüchtige lebten nur noch in der virtuellen Welt des Netzes, gingen teilweise nicht mehr zur Schule oder zur Arbeit und vernachlässigten ihre realen sozialen Kontakte.
Die von den Universitäten in Lübeck und Greifswald organisierte Studie „Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA I) basiert auf Tausenden von Telefoninterviews, eine eine bundesweite repräsentative Befragung. In 53 Studienbereichen in 52 Städten (Berlin war doppelt vertreten) wurden insgesamt 15.024 Menschen über Festnetz und Handy befragt. Im Mittelpunkt stand dabei ein spezieller Fragenkatalog.
Befragt wurden die Teilnehmer nach dem Katalog der sogenannten Compulsive Internet Use Scale. 14 Fragen insgesamt, auf die es jeweils fünf mögliche Antworten gibt:
Nie = 0 Punkte


selten = 1 Punkt


manchmal = 2 Punkte


häufig = 3 Punkte


sehr häufig = 4 Punkte.
Die Fragen:
1. Wie häufig finden Sie es schwierig, mit dem Internetgebrauch aufzuhören, wenn Sie online sind?
2. Wie häufig setzen Sie Ihren Internetgebrauch fort, obwohl Sie eigentlich aufhören wollten?
3. Wie häufig sagen Ihnen andere Menschen, z.B. Ihr Partner, Kinder, Eltern oder Freunde, dass Sie das Internet weniger nutzen sollten?
4. Wie häufig bevorzugen Sie das Internet statt Zeit mit anderen zu verbringen, z.B. mit Ihrem Partner, Kindern, Eltern, Freunden?
5. Wie häufig schlafen Sie zu wenig wegen des Internets?
6. Wie häufig denken Sie an das Internet, auch wenn Sie gerade nicht online sind?
7. Wie oft freuen Sie sich bereits auf Ihre nächste Internetsitzung?
8. Wie häufig denken Sie darüber nach, dass Sie weniger Zeit im Internet verbringen sollten?
9. Wie häufig haben Sie erfolglos versucht, weniger Zeit im Internet zu verbringen?
10. Wie häufig erledigen Sie Ihre Aufgaben zu Hause hastig, damit Sie früher ins Internet können?
11. Wie häufig vernachlässigen Sie Ihre Alltagsverpflichtungen (Arbeit, Schule, Familienleben), weil Sie lieber ins Internet gehen?
12. Wie häufig gehen Sie ins Internet, wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen?
13. Wie häufig nutzen Sie das Internet, um Ihren Sorgen zu entkommen oder um sich von einer negativen Stimmung zu entlasten?
14. Wie häufig fühlen Sie sich unruhig, frustriert oder gereizt, wenn Sie das Internet nicht nutzen können?



Erschienen am 27.09.2011

Dienstag, 6. September 2011

Jeder dritte Europäer psychisch krank

stern.de: Die Zahlen sind erschreckend: Rund 165 Millionen Europäer leiden laut einer Studie unter einer psychischen Störung. Die Behandlung startet meist zu spät - und genügt häufig nicht einmal minimalen Standards. Erscheinungsdatum: 5. September 2011, 21:59 Uhr

Die Zahlen sind erschreckend: Rund 165 Millionen Europäer leiden laut einer Studie unter einer psychischen Störung. Die Behandlung startet meist zu spät - und genügt häufig nicht einmal minimalen Standards.
Angststörungen,  Depressionen, psychische Krankheiten, EuropaMehr als 160 Millionen Europäer leider einer aktuellen Studie an einer psychischen Krankheit© Colourbox
Mehr als jeder dritte EU-Bürger leidet mindestens einmal im Jahr an einer psychischen oder neurologischen Störung. Besonders häufig treten Angsterkrankungen, Depressionen und Schlaflosigkeit auf, ergab die bislang größte Studie zum Thema.
"Es gab lange die Annahme, dass psychische und neurologische Störungen nur das Schicksal einzelner Personen sind. Das ist vollkommen abwegig", sagt der deutsche Studienleiter Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden bei der Vorstellung der Ergebnisse in Paris. "Warum sollte das Gehirn im Gegensatz zum Rest des Körpers gesünder sein, obwohl es um ein Vielfaches komplexer ist als andere Organe?" Niemand wundere sich, wenn er einmal im Jahr zum Arzt gehen müsse, weil er eine Erkältung oder etwas am Magen habe.
Die Gesamtzahl der pro Jahr betroffenen Menschen in der EU und den Ländern Schweiz, Norwegen und Island schätzen die Experten nach einer umfassenden Metaanalyse vorhandener Daten auf 164,8 Millionen Menschen.

Angststörungen am häufigsten

Die Studie liefert nach Angaben der Experten erstmals ein realistisches Bild zur Häufigkeit psychischer Störungen in Europa. 38 Prozent aller Einwohner der EU leiden demnach binnen eines Jahres unter einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung.
  • Den Spitzenplatz belegen Angststörungen (14 Prozent).
  • Sieben Prozent leiden an Schlafstörungen.
  • An Depressionen sind 6,9 Prozent, an psychosomatischen Erkrankungen 6,3 Prozent erkrankt.
  • Vier Prozent leiden laut Studie unter Alkohol- und Drogenabhängigkeit.
  • Bei fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen treten Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen auf.
  • An Demenzen leiden zwischen einem Prozent der 60- bis 65-Jährigen bis zu 30 Prozent der über 85-Jährigen.
Männer und Frauen leiden nach Angaben der Forscher etwa gleich häufig unter psychischen Erkrankungen - einen großen Unterschied gibt es aber zwischen der Art der Störungen. Männer haben in der Kindheit etwa häufiger ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen) und später Suchterkrankungen, während Frauen häufiger an Depressionen, Angsterkrankungen und Essstörungen leiden.
Als eine Ursache der Geschlechtsunterschiede gelten nach Angaben von Wittchen gesellschaftliche Veränderungen. "Die soziale Stress- und Rollenbelastung von Frauen hat in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen. Das heißt, eine Frau, welche die Rolle einer berufstätigen Hausfrau und Mutter hat, hat ein höheres Risiko Angst- und Depressionserkrankungen zu bekommen als Männer." Bekannt sei auch, dass eine Heirat bei Männern die Krankheitshäufigkeit senke, während es bei Frauen genau andersherum sein könne.

Möglichst früh therapieren

Die im Fachmagazin "European Neuropsychopharmacology" veröffentlichten Ergebnisse basieren auf einer über drei Jahre währenden Studie und beziehen sich auf alle 27 EU-Staaten sowie die Schweiz, Island und Norwegen mit einer Gesamteinwohnerzahl von 514 Millionen Menschen. Berücksichtigt wurden mehr als 100 unterschiedliche psychische und neurologische Krankheitsbilder.
Obgleich die Zahlen alarmierend klingen, gibt es zumindest einen kleinen Lichtblick: Insgesamt sei die Häufigkeit psychischer Störungen im Vergleich zu 2005 aber nicht gestiegen, betonten die Forscher. Lediglich bei den Demenzerkrankungen gebe es aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung eine Zunahme.
Obwohl psychische Störungen in Europa zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden sind, gibt es den Autoren zufolge bei der Versorgung der Patienten dramatische Missstände. Nach der Auswertung der Daten würden in Europa nur zehn Prozent aller psychischen Störungen "minimal adäquat" behandelt. Selbst die besten Gesundheitssysteme, zu denen auch das deutsche gehöre, schafften es bestenfalls, jeden zweiten Patienten einigermaßen gut zu behandeln.
Studienleiter Wittchen forderte als Konsequenz aus der Studie ein Ende der Unter- und Fehlversorgung der Betroffenen. Da viele psychische Störungen früh im Leben beginnen und unbehandelt massive negative Langzeiteffekte haben können, müssten sie früher und schneller behandelt werden.

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Depression

Montag, 22. August 2011

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