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Montag, 21. Mai 2012

Millionen Menschen beobachten spektakulären Feuerring

http://www.stern.de/news2/aktuell/millionen-menschen-beobachten-spektakulaeren-feuerring-1830136.html

Millionen Menschen auf beiden Seiten des Pazifiks sind Zeugen eines seltenen Naturschauspiels geworden: Bei einer Sonnenfinsternis verwandelte sich das Taggestirn am Morgen am Himmel über Asien in einen Feuerring, der in Richtung des tausende Kilometer entfernten Westens der USA zog. Himmelsgucker in zahlreichen Ländern zeigten sich beim Anblick der Finsternis tief beeindruckt von dem raren Naturphänomen.
Astronomen sprechen beim Phänomen des Feuerrings von einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Wie jede Sonnenfinsternis kommt das Naturschauspiel zustande, wenn sich der Mond von der Erde aus gesehen vor die Sonnenscheibe schiebt. Da aber der Abstand des Mondes von der Erde schwankt, erscheint die Mondscheibe je nach Entfernung des Erdtrabanten am Himmel unterschiedlich groß. Wenn sich der Mond bei einer Sonnenfinsternis weit von der Erde entfernt befindet, kann seine Scheibe die Sonne nicht komplett bedecken - statt einer totalen ereignet sich eine ringförmige Sonnenfinsternis.
Die Finsternis war am frühen Morgen zunächst in Teilen Chinas zu sehen, anschließend in Taiwan, Japan und am späten Sonntag (Ortszeit) auch in verschiedenen US-Bundesstaaten. Während Wolken über weiten Teilen Südostchinas einen klaren Blick verhinderten, bot sich vielen Menschen in Tokio ein spektakulärer Anblick.
Es war das erste Mal seit 173 Jahren, dass ein solches Schauspiel über der japanischen Mega-Metropole zu sehen war. In ganzen Land blieben Pendler und Schulkinder auf der Straße stehen, die großen Fernsehsender boten Live-Schalten an, die Fluglinie Japan Airlines organisierte einen Beobachtungsflug, der sofort ausverkauft war. Der Elektronikriese Panasonic schickte sogar eine Expedition auf den knapp 3800 Meter hohen Berg Fuji, um das Naturschauspiel mit Spezialausrüstung zu filmen.
In einem japanischen Zoo trieb die Sonnenfinsternis 20 Affen zu seltsamen Reaktionen: Offenbar weil sie glaubten, die Nacht breche herein, sprangen die Lemuren wild auf und nieder. "Dies Verhalten zeigen sie in der Regel am Abend, um ihre Körpertemperatur zu erhöhen", sagte Zoo-Direktor Akira Kato.
Auch im Westen der USA zog die Sonnenfinsternis zahlreiche Schaulustige an. Tausende Menschen fielen in das 350-Seelen-Dorf Kanarraville im Bundesstaat Utah ein. In Los Angeles versammelten sich Tausende am Griffith-Observatorium in den Hügeln von Hollywood, um die spektakulärste Sonnenfinsternis über der kalifornischen Metropole seit 20 Jahren zu beobachten.

Freitag, 4. November 2011

Virtuelle Reise: Einmal Mars und zurück

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2081983/Virtuelle-Reise-Einmal-Mars-und-zurueck.html

Isolationsexperiment

Virtuelle Reise: Einmal Mars und zurück

Es war die bisher längste virtuelle Reise ins All: Nach 520 Tagen Isolation steigen heute sechs Männer in Moskau aus einem Container.
Begehung an der langen Leine: Viermal simulierten die Teilnehmer einen Ausflaug auf den Mars. Dessen Oberfläche war in einem Teil des Moduls nachgebaut worden
Foto: ESA
Moskau. Luke auf für den Schlussakt des längsten Isolationsexperiments der Raumfahrt: Sechs Männer beenden heute nach 17 Monaten eine virtuelle Reise ins All. Bei dem Projekt in Moskau simulierten Teilnehmer aus Russland, China, Frankreich und Italien seit Juni 2010 einen Flug zum Mars und zurück - streng abgeschirmt in einem Container. "Ich bin sicher, dass dies ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zum Mars war", sagt Peter Gräf vom beteiligten Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Insgesamt 520 Tage waren die Männer auf sich gestellt, rund um die Uhr überwacht von Kameras - alles im Dienst der Wissenschaft: Das Experiment Mars500 soll Erkenntnisse bringen für einen Flug zum Roten Planeten, der irgendwann Wirklichkeit werden könnte. Da Experten Leben auf dem Mars nicht ausschließen, ist der erdähnlichste Planet im Sonnensystem für sie besonders spannend. Zehn Millionen Euro haben sich die beteiligten Institutionen das Experiment dann auch kosten lassen; etwa zwei Millionen Euro davon übernehmen das DLR und die Europäische Weltraumbehörde (Esa). Für jeden Teilnehmer der virtuellen Reise gibt es etwa 80 000 Euro.
Deutsche Experten sind begeistert von den Resultaten. "Diese geschlossene Gesellschaft war ein Paradies für Forscher", sagt Alexander Choukèr von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Anästhesist nutzte die Isolation der Raumfahrt-WG, um mithilfe von Urin- und Speichelproben der Teilnehmer die Wirkung von Stress auf das Immunsystem zu untersuchen. Parallel analysierte die Universität Erlangen die Proben auf die Balance des Salz- und Wasserhaushalts.
Fast 12 500 Stunden in einem fensterlosen Container mit einer Holzvertäfelung, die sowjetischen Charme verbreitet: Das war fünfmal so lange wie beim ersten Langzeitexperiment der Mars-Forscher vor zwei Jahren. Damals verbrachte unter anderem der Düsseldorfer Oliver Knickel 105 Tage im Moskauer "All". Kameras übertrugen erneut das Geschehen im Modul - bis auf eine je drei Quadratmeter "große" Privatkammer - in einen benachbarten Kontrollraum.
"Die Männer freuen sich auf den Ausstieg wie Kinder auf Heiligabend", sagt Esa-Experte Martin Zell. Seit Wochen fühle sich die Crew "ausgelaugt", heißt es. Den mentalen Tiefpunkt hätte die Mannschaft im August erlebt, so Patrik Sundblad von der Esa: "Es war die monotonste Phase der Mission, viele der Angehörigen und Freunde waren im Urlaub und schickten deshalb keine Nachrichten." Außerdem habe es wenig Abwechslung bei der Nahrung gegeben.
"Die Simulation ist viel schwieriger als ein wirklicher Flug", beschreibt Elektroingenieur Diego Urbina, einer der "Marsianer", die Stimmung in dem 180 Quadratmeter großen "Raumschiff". Im Gegensatz zu einem wirklichen Flug zum mehr als 50 Millionen Kilometer entfernten Planeten fehlten bei dem Experiment zwar Schwerelosigkeit und kosmische Strahlung, was immer wieder zu Kritik an der Relevanz des Experiments geführt hatte. "Stattdessen spürt man oft Einsamkeit und eine große Monotonie", schrieb der 28-jährige Italiener aus dem Modul.
Urbina hatte noch Glück: Mit dem Russen Alexander Smoleevskiy und dem Chinesen Yue Wang durfte er im Februar den röhrenförmigen Container kurz verlassen: für die virtuellen ersten Schritte eines Menschen auf dem Mars. Forscher hatten ein Stück des Roten Planeten, der den Beinamen wegen des rötlichen Eisenoxidstaubs trägt, im Moskauer Institut für Biomedizinische Probleme nachgebaut.
Alexey Sitev und Sukhrob Kamolov (beide Russland) sowie Romain Charles aus Frankreich mussten im "Mutterschiff" auf ihre Kollegen warten. "Aber Hand aufs Herz: Wir waren uns in jeder Sekunde bewusst, dass wir nicht wirklich auf dem Weg zum Mars waren", räumte Urbina augenzwinkernd ein. Um die Besatzung auf Trab zu halten, dachte sich die "Bodenstation" Dutzende Experimente aus - und inszenierte Pannen wie einen Brand. Auch kappte sie für eine Woche alle Leitungen, damit die "Raumfahrer" den Notfall im All proben konnten.
Während China gestern morgen (Ortszeit) feierte, dass dem Land mit dem unbemannten Raumschiff "Shenzhou-8" als vierter Weltraummacht die Kopplung von zwei Raumflugkörpern gelungen war, geht heute in Moskau um 11 Uhr (MEZ) der zehntägige Countdown der Mars-Expedition zu Ende. Viele der beteiligten, nach Moskau gereisten Forscher werden die letzten Proben entgegennehmen und auswerten. Für mögliche weitere Experimente - oder irgendwann die reale Expedition. Nach dem Flug ist vor dem Flug.

Freitag, 9. September 2011

Meteoriteneinschlag bei Nördlingen: Geologen ergründen Europas Urkatastrophe

SPIEGEL ONLIVE 08. September 2011, 13:09 Uhr Von Axel Bojanowski


München - Einen Meteoriteneinschlag hat heute kaum jemand auf der Rechnung - doch was nach Science-Fiction klingt, ist in Deutschland schon passiert. Hätte sich der tausend Meter dicke Steinbrocken, der einst ins Nördlinger Ries krachte, nur um ein paar Millionen Jahre verspätet und würde heute einschlagen, wären die Folgen schlimmer als nach einem Atomkrieg. Auf der internationalen Tagung Fragile Earth in München haben Geoforscher nun das Rätsel gelüftet, warum der Einschlag so explosiv war.
Vor rund 15 Millionen Jahren krachte bei Nördlingen an der Grenze von Bayern zu Schwaben jene Bombe aus dem All mit 70.000 Kilometern pro Stunde in die Landschaft - auf halben Weg zwischen dem heutigen München, Stuttgart und Nürnberg. Sie bohrte sich einen Kilometer tief in die Erde, riss einen 24 Kilometer breiten Krater - das Nördlinger Ries. Der Meteorit war nicht allein, ein Mond umkreiste ihn. Die hundert Meter dicke Eisenkugel schoss 40 Kilometer südwestlich vom Ries in den Boden. Sie hinterließ das Steinheimer Becken, eine heute fast vier Kilometer breite Kuhle.
Solch ein Schlag würde das heutige Süddeutschland vernichtend treffen - denn dies würde geschehen: Erst schmilzt der steinerne Boden unter dem Aufprall des einen Kilometer dicken Geschosses. Dann schießt eine 20.000 Grad heiße Glutwolke drei Kilometer in die Höhe, sie versengt im Umkreis von Dutzenden Kilometern alles Leben. Die Sprengkraft von 250.000 Hiroshimabomben katapultiert einen Hagel aus 300 Milliarden Tonnen Gestein in die Landschaft - die Trümmer fliegen 400 Kilometer weit bis nach Österreich, in die Schweiz; sogar nach Böhmen. In Stuttgart, München, Augsburg und Nürnberg schlagen tonnenschwere Kalkblöcke ein; kurz darauf geht ein mehrere tausend Grad heißer Regen aus Glut und Säure nieder. Geschosse und Feuer aus dem Himmel - dieses apokalyptische Szenario ereignete sich vor 15 Millionen Jahren.

Diamanten in der Häuserwand
Die beste Aussicht auf den Schauplatz des Schreckens bieten die Anhöhen der Schwäbischen Alb: Östlich der Hügel klafft der Meteoritenkrater Nördlinger Ries, eine weite Kuhle mit Wäldern, Wiesen und Dörfern. In seiner Mitte liegt die kreisrunde Stadt Nördlingen. Viele Gebäude bestehen aus Trümmern jener gewaltigen Bombe aus dem All; sie enthalten sogar Diamantsplitter.
Der Meteorit traf Süddeutschland, als regelrecht paradiesische Zustände herrschten: Elefanten, Urpferde und Affen durchstreiften im Zeitalter des Miozäns eine üppige Subtropenlandschaft wie im heutigen Florida mit Sümpfen und offenen Wäldern. Pelikane, Schildkröten und Krokodile rasteten an Tümpeln; Schlangen krochen durchs dichte Schilfgestrüpp. Sie alle waren dem Tod geweiht, als der Kilometer dicke Steintrumm Kurs Richtung Erde nahm.
Doch seit langem wundern sich Experten, dass im Boden des Ries im Gegensatz zu ähnlichen Meteoritenkratern nur wenig Spuren geschmolzenen Gesteins liegen. Ein Meteorit dieser Größe hätte eigentlich den Boden Dutzende Meter tief schmelzen lassen müssen. Eine neue Bohrung in den Krater habe nun eine lediglich fünf Meter dünne Schmelzschicht zutage gefördert, berichtet der Geologe Thomas Kenkmann von der Universität Freiburg auf der Münchner Tagung.

Wasserfontänen nach dem Aufprall
Jetzt präsentieren Forscher eine Erklärung: "Der Meteorit wurde regelrecht pulverisiert", sagt Kenkmann. Ursache seien große Mengen Grundwasser in der damaligen Sumpflandschaft, sie hätten den Einschlag besonders explosiv gemacht, erklärt Natalia Artemieva vom Planetary Science Institute in Tuscon, USA: Es sei beim Einschlag des Meteoriten in gigantischer Menge auf einen Schlag verdampft. Dabei sei der Boden regelrecht zerfetzt - das geschmolzene Gestein sei großteils weggesprengt worden. Im Riesgestein fänden sich auffällig viele Minerale, die sich bei großer Hitze unter Zugabe von Wasser bildeten.
Der Aufprall habe sogar dauerhaft Heißwasserfontänen im Ries sprießen lassen, berichten Forscher um Gernot Arp von der Universität Göttingen auf der Fragile Earth-Tagung. Die Geochemiker haben im Krater Kalkminerale gefunden, die an sogenannten hydrothermalen Quellen in Vulkangebieten entstehen. Die Fontänen waren offenbar die Vorläufer einer erstaunlichen Seenlandschaft.
Im Nördlinger Ries schwappte nach dem Einschlag ein giftiger Salzwassersee - vorbei war es mit den paradiesischen Wassertümpeln. Beim Einschlag hatten sich Salzminerale aus dem Untergrund gelöst, die das in den Krater strömende Grundwasser zu einer lebensfeindlichen Brühe machten. Nur wenige Einzeller konnten überleben: Auf der Münchner Tagung präsentierten Gernot Arp und seine Kollegen Spuren winziger Salzwasserorganismen, sogenannter Stromatolithen, die in solchen Sodaseen leben. Die Fossilien hatten die Forscher in diesem Jahr bei Bohrungen im Ries entdeckt.
Fränkische Alb gesprengt
Die Umgebung des Sees wurde nach dem Einschlag aber bald wieder von den Tieren zurückerobert; sogar im Schilfgürtel des Sees herrschte reges Treiben: Dort, am Rande des Nördlinger Ries, finden Geologen immer wieder versteinerte Reste zahlreicher Vögel, Schildkröten, Igel, Schlangen und von marderähnlichen Raubtieren.
Der Meteoriten-Einschlag hat Süddeutschland für immer verändert: Auswurfmassen blockierten Flüsse, die sich neue Wege bahnen mussten. Nordöstlich des Kraters etwa staute sich der Rezat-Altmühlsee, er wurde doppelt so groß wie der heutige Bodensee. Der Meteorit sprengte zudem die Fränkische Alb von der Schwäbischen Alb ab, die seither als Wetterscheide Wolken abfängt: Die vom Meteoriten zerlegte Landschaft um Nördlingen gehört seither zu den sonnenreichsten in Deutschland. Schon die Frühmenschen fühlten sich dort besonders wohl, wie zahlreiche Werkzeugfunde beweisen.

Das letzte Rätsel
Doch noch immer sind nicht alle Rätsel um Deutschlands Urkatastrophe gelöst; selbst ihr Zeitpunkt ist umstritten. Der neuesten Datierung zufolge krachte der Trumm aus dem All vor genau 14,59 Millionen Jahren herab. Dies habe die Analyse von Glas-Mineralen ergeben, die sich beim Einschlag gebildet hätten, berichteten die Geologen Elmar Buchner von der Hochschule Neu-Ulm und Martin Schmieder von der Universität Stuttgart unlängst auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien (EGU). Das einst geschmolzene Glasgestein enthält radioaktive Teilchen, die sich beim Meteoriteneinschlag gebildet haben. Sie zerfallen seither mit gleichbleibender Rate. Wie verrinnender Sand in einer Sanduhr zeigt die Menge der übrig gebliebenen Teilchen das Alter des Glasgesteins an. Als Vergleich dient die Menge der Substanz, zu denen die radioaktiven Teilchen zerfallen sind. Bisherige Datierungen hingegen seien ungenau gewesen, weil ältere Minerale in den Gläsern ein zu hohes Alter vorgegaukelt hätten, erläutern die Experten.
Jetzt wollen die Forscher auch das wichtigste verbliebene Rätsel ums Ries lösen: Warum wölbt sich im Zentrum des Kraters kein Hügel wie bei anderen Meteoritenkratern? Üblicherweise wirft ein Einschlag in der Mitte einen Klumpen Erdmasse auf - ähnlich wie Kaffee, wenn ein Zuckerstück in die Tasse plumpst. Dass der Hügel fehlt, irritiert Experten, die Gesetze von Meteoriteneinschlägen beschreiben wollen.
Um das Geheimnis zu lüften, sollten vielleicht mal wieder ausländische Forscher den Krater inspizieren, sie haben schon einmal den Durchbruch gebracht: Als 1961 der Amerikaner Edward Chao und sein Kollege Eugene Shoemaker als Erste Meteoritenspuren im Ries entdeckt haben wollten, gaben sich die einheimischen schwäbischen Geologen skeptisch: "Der hergelaufene Chinäs', der auch noch ein Ami isch…", spotteten sie, könnte das Rätsel um den Krater bei Nördlingen doch nicht gelöst haben? Doch, sie hatten es gelöst - seither kennt Deutschland das katastrophalste Naturereignis seiner Geschichte.

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